Emma kommt in die Zeitung

Am letzten Samstag hatten wir Besuch von einer Mitarbeiterin der HNA, der Hessisch-Niedersächsichen Allgemeinen, der Zeitung für Nordhessen und Südniedersachsen. Sie wollte einen Bericht über Emma schreiben. Emma war total nervös. Würde sie alle Fragen beantworten könnnen. Und überhaupt: Was würde Tina Hartung fragen wollen? Ich versuchte, Emma zu beruhigen. Vermutlich würden „ganz normale“ Fragen kommen wie „Woher kommst du?“, „Wie gefällt es dir in Deutschland?“, „Was gefällt dir am besten?“, „Was gefällt dir am wenigsten?“, „Was vermisst du?“ Damit war Emma ein wenig beruhigt, allerdings nicht komplett. Vielleicht machte sie sich Sorgen, ob sie alles verstehen und auf deutsch würde beantworten können.

Am Samstag erlebte Emma dann eine ganz nette Überraschung, denn wir saßen einfach fröhlich zusammen und plauderten. Was Emma bewogen habe, nach Deutschland zu kommen, wurde sie z.B. gefragt. Emma erzählte vom Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP), das in den Staaten CBYX (Congress Bundestag Youth Exchange) heißt und das es ihr und vielen anderen Schülerinnen und Schülern aus den USA ermöglicht, ein Jahr in Deutschland zu verbringen. Kostenlos, denn Bundestag und Congress vergeben die Aufenthalte als Stipendium. Die gleiche Anzahl an deutschen Stipendiatinnen und Stipendiaten befindet sich übrigens zeitgleich in den USA.

Dabei fällt mir ein: Manchmal werden wir gefragt, was wir dafür bekommen, dass Emma bei uns wohnt. Wir bekommen nichts dafür. Keine finanzielle Unterstützung. Das will kaum jemand glauben. Vielleicht muss man es anders betrachten: Wenn man Geld bekommen würde, wenn man ein Gastkind aufnimmt, was würde dann passieren? Vielleicht würden Menschen Gastkinder aufnehmen, um sich zu finanzieren? Ein zahlender Gast wäre ein Gast, kein Familienmitglied. Ich will nicht verhehlen, dass finanzielle Unterstützung manchmal ganz schön wäre. Nicht für Essen, Kost und Logis. Sondern für die „Extras“. Wir unternehmen deutlich mehr, als wir es allein tun würden. Da fallen natürlich schon Kosten an, die wir sonst nicht hätten, denn schließlich betreffen die Ausflüge nicht eine Person sondern – je nach Termin – vier oder fünf Personen. Doch wir haben auch mehr Spaß und mehr Abwechslung. Und wir sehen mehr. Manchmal auch uns selbst durch einen amerikanischen Spiegel.

Zurück zum Interview: Die Zeit verging rasend schnell. Emma wurde gefragt, wie es so sei mit zwei Brüdern. Das sei ganz anders. Die Brüder seien sehr nett und sehr sportlich – und große Langschläfer. (Dem kann ich zustimmen). Zu Hause hätte sie zwei Geschwister (sie meinte Schwestern), Schwestern wären mit Brüdern nicht zu vergleichen. Wir erzählten von verschiedenen Abenteuern wie der Teilnahme an der Marathonstaffel, untrainiert nach nur zwei Wochen in Deutschland und davon, dass Emma anfangs auf Lilly allergisch reagierte und wir schon dachten, wir müssten eine andere, hundelose Familie für Emma finden. Es ist eben schon viel passiert in dem ersten halben Jahr mit Emma. Emma wiederum erzählte von der großen Freude, die ihr Julians Weihnachtskarte gemacht hatte. Er hatte geschrieben „du bist eine richtige Schwester für mich“.

Zwei Bilder sollten in den Artikel. Eins mit allen drei Kindern, das leider rausgefallen ist, darum reiche ich es hier nach

kinder

Das andere fotografierte Tina Hartung selbst. Und ich finde es richtig gelungen. Hier ist der ganze Artikel:

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