Leben und erinnern

Vom 28. Januar 2019 bis zum 2. Februar 2019 waren Emma, Julian, Tariq und ich auf der Studienfahrt in Auschwitz. Das erste was wir dort gelernt haben war diesen Ort Oswiecim zu nennen.

Am frühen Morgen, um acht Uhr, fuhren wir in Kassel los und nach einer langen Fahrt kamen wir am Abend im sehr kalten Polen an. Wir vier hatten großen Hunger und wurden von einem warmen, Dreigängemenü in der Herberge überrascht. Nach dem Essen versammelte sich unsere Gruppe von 30 Schülern aus der Q1 und Q3 im Aufenthaltsraum, um über die geplanten Aktivitäten und Ausflüge informiert zu werden.

Daraufhin blieben wir noch bis 0:00 Uhr auf, damit wir in meinen Geburtstag reinfeiern konnten. Besonders schön war der selbstgebackene Kuchen von Julian und der Schal von Emma.f8f3ceab-2548-424b-a8a9-67f971a57a6c

Am nächsten Tag brachen wir schon früh zu der ersten Besichtigung auf. Das Stammlager Auschwitz 1. Emma meinte, dass es seltsam sei sich an diesem schrecklichen Ort zu befinden und auch Julian und ich fühlten uns unwohl als wir den Schriftzug am Eingangstor „Arbeit macht frei“ betrachteten. Durch das Lager führte uns ein sehr professioneller Guide. Vier Stunden lang gingen wir durch die verschiedenen Baracken, in denen sich zum Teil Ausstellungen befanden, zum Teil aber auch noch originale Zimmer zu sehen waren. Besonders schockiert und betroffen waren Emma und ich von der Vitrine hinter der sich zwei Tonnen an Haaren, die den weiblichen Häftlingen bei ihrer Ankunft abgeschoren worden waren, befanden.

Die Mittagspause bestand wieder aus einem dreigängigen Menü. Leider hatten wir danach nicht viel Zeit die am Vormittag erworbenen Eindrücke zu verarbeiten und brachen sofort zu einer Stadtführung durch Oswiecim auf.
Am Ende des Tages waren wir alle sehr kaputt und müde. Die Gruppenstimmung aber war sehr harmonisch.39fd7061-b78c-43dd-99d0-cf2eddaee37f

Am zweiten Tag stand die Besichtigung von Auschwitz- Birkenau an. Ganz im Gegensatz zu dem Stammlager war dieses Gelände vollkommen unberührt und die Eindrücke waren sehr viel intensiver. Wir wurden wieder von der gleichen Person durch das Lager geführt, standen in den Holz- und Steinbaracken, und blickten auf die Überreste der Krematorien. In unserer Gruppe wurde während der Führung nur sehr wenig geredet, da jeder in seinen Gedanken versank. Für Emma war die Führung sehr anstrengend und lang, da sie sich noch mehr konzentrieren musste alles aufzunehmen, aber auch sie hatte am Ende alles gut verstanden.98e6d8a2-1161-49a0-bef0-f8329c405c36

Das Nachmittagsprogramm konnten wir selbst gestalten. Wir entschieden uns dafür erneut zum Stammlager zu laufen und dort zwei Länderausstellungen zu besichtigen. Frankreich und Israel.251aba6d-fb03-4552-8dcb-dea5534572a6

Der Spaß am Abend fehlte trotz der belastenden Eindrücke am Tag nicht. Wir spielten Scharade und rätselten sehr viel. Emma kam häufig als Erste auf die Lösung. Ein Rätsel namens „Insel KeinIKeinU“ zerbrach uns für eine lange Zeit die Köpfe. Den dritten und letzten Tag verbrachten wir erneut im Stammlager. Dort hörten wir in der Baracke 25, die nur bei Nachfrage geöffnet wird, einem Vortrag über die Kunst der Häftlinge zu. Er war sehr interessant, aber langsam merkten wir, dass es uns immer schwerer fiel die Informationen aufzunehmen. Unser Aufenthalt in Oswiecim wurde durch den Film „Im Labyrinth des Schweigens“, den wir abends in der Unterkunft sahen, abgeschlossen.719ce75f-9355-4da9-8033-fdc4569fefef

Früh am Morgen fuhren wir am nächsten Tag in die wunderschöne Stadt Krakau. Dort hatten wir eine wirklich sehr lange Stadtführung von insgesamt sechs Stunden durch das jüdische Viertel. Krakau ist sehr alt und hat viel Geschichte. Dies zeigte sich besonders auf der Burg und auf dem großen Marktplatz. Den restlichen Tag verbrachten Emma, Tariq, Marianne und ich in einem Cafe und Julian ging mit Lisa zu einem riesigen Einkaufszentrum. Am Abend trafen wir uns alle wieder an unserem Bus und fuhren die Nacht hindurch, sodass wir am frühen Morgen im schönen Kassel eintrafen. Für uns alle war es eine gute und wichtige Erfahrung, die uns eine höhere Kenntnis über die grausamen Verbrechen des 2. Weltkrieges und des Holocausts gebracht hat. Es ist wichtig, dass dieser Ort von vielen Menschen gesehen wird, damit diese Zeit niemals in Vergessenheit gerät. Leben und erinnern.

Antonia Binta Kreuter

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