Göttingen

Ganz nah bei Kassel liegt die Universitätsstadt Göttingen. Schon lange hatten wir geplant, über die Landesgrenze zu fahren und Göttingen einen Besuch abzustatten. Am Freitag nach Himmelfahrt war es soweit. Ursprünglich hatten wir zu fünft fahren wollen, wobei ich nicht bedacht hatte, dass Jonathan natürlich keinen Brückentag haben würde und zur Uni musste. Frank und ich hatten frei, für Julian ist der Tag nach Himmelfahrt von jeher ein Ferientag. Als nächster fiel Julian aus. Er hatte sich Fahrstunden auf den Freitag gelegt, weil er ja da Zeit hatte und wir für Samstag einen weiteren Ausflug geplant hatten, weshalb Samstag als sein Fahrschultag ausfiel. Frank fand, dass Emma und ich uns dann einen Mädelstag machen sollten. Und das taten wir. Nach einem späten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Die Fahrt dauert nicht sehr lange und die Autobahn war frei, so dass wir relativ schnell in der Stadt waren. Doch genau wie wir wollten scheinbar viele Menschen ihren freien Tag für einen Göttingenbesuch nutzen. Einen Parkplatz zu finden war die Hölle. Mit etwas Geduld ergatterten wir schließlich einen in der Nähe des Zentrums.

Unser erster Gang führte uns in eine Buchhandlung, denn obwohl ich schon oft in Göttingen gewesen war, fehlte es uns doch an einem fachkundigen Reiseführer. Wir suchen also nach 111 Orte die man in Göttingen und Umgebung gesehen haben muss. Nachdem wir fündig geworden waren, gingen wir ins Traditionscafé Cron und Lanz um Pläne zu schmieden, wie wir den Tag verbringen sollten. Das Café war selbstverständlich von Anfang an als Ausflugsziel erkoren gewesen. Wir saßen im ersten Stock, genossen Kaffee und heiße Schokolade und blätterten im neu erworbenen Reiseführer.

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Zuerst war die Jakobikirche an der Reihe. Sie ist so außergewöhnlich, weil die Bemalung ihrer Säulen mit optischen Täuschungen spielt. Die einen scheinen sich nach oben zu verjüngen, die anderen nach unten hin. Wir hatten überlegt, ob wir den Kirchturm hochklettern sollten. Klettern wäre es tatsächlich geworden. Etwa zwei Drittel des Turms kann man nur über Leitern erklimmen. Man müsse schwindelfrei sein und dürfe keine Höhenangst haben. Und es würde ziemlich lang dauern. Wir bedankten uns höflich und behielten uns vor, später zurückzukommen. Was wir allerdings nicht taten, da es so viel anderes zu sehen gab.

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Anschließend ging es zum Gänselieselbrunnen. Ich hatte Emma erzählt, dass die Studenten die Gänseliesel küssen, um sicherzustellen, dass sie wieder nach Göttingen zurück kommen würden. Und dass sie sie nach bestandenen Prüfungen mit Blumen schmücken. Offensichtlich hatte es bestandenen Prüfungen gegeben, denn die Gänseliesel trug einen Blumenkranz und war auch sonst mit Blumen geschmückt. Es war leider niemand da, der die Statue küssen wollte, wenngleich es viele Pärchen gab, die am Fuß des Brunnens saßen.

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Unser nächstes Ziel war das Haus, in dem Bismarck während seiner Studienzeit gewohnt hatte. Zum einen wegen des historischen Bezugs, zum anderen, weil es einfach ein malerisches Haus in malerischer Umgebung ist.  Wir spazierten am Wall entlang  und freuten uns, als wir das Haus erreichten, denn es lag direkt gegenüber einer Wassermühle. Alles in allem sehr malerisch. Bismarck muss ein fauler Student gewesen sein, der zudem keinem Duell aus dem Wege ging. Viele Tage hat er im Karzer, dem Universitätsgefängnis, gesessen, weil er sich geprügelt oder duelliert hatte – oder weil er einfach faul gewesen war. Andere Zeiten, andere Sitten.

Auf dem Wall wanderten wir nun in die entgegengesetzte Richtung, um nach einem Denkmal von Gauß und Weber Zu schauen. Obwohl ein Altersunterschied von 27 Jahren die beiden trennte, sehen sie auf dem Denkmal gleich alt aus. In Göttingen haben die beiden am ersten Telegrafen der Welt gearbeitet – sie tauschten Nachrichten über elektromagnetisch beeinflusste Kompassnadeln aus.

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Es war heiß an diesem Freitag, weshalb wir uns wieder in die Innenstadt schlugen, um in eine Eisdiele zu gehen. Wir hatten Glück und fanden eine mit sehr leckerem Eis. Frank und Julian waren offensichtlich mit den Fahrrädern unterwegs und hatten auch gerade eine Eispause eingelegt. So schickten wir uns gegenseitig Bilder von unseren Köstlichkeiten.

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IMG_6032Weiter ging es zu Fuß durch die Stadt. Wir suchten und fanden eine Statue des Butts von Günter Grass und die Statue von Georg Christoph Lichtenberg. Erstere sieht genauso aus, wie man sich den Grass‘ Butt vorstellt. Lichtenberg Statur hingegen ist sehr anrührend. Sie zeigt den kleingewachsenen Mann mit dem Buckel auf einer Bank sitzend, als warte ja nur auf einen Gesprächspartner. Auf einer Bank gegenüber liegt ein aufgeschlagenes Buch mit seinen Lebensdaten. Was für ein schönes Fotomotiv. An dieser Stelle sage ich noch mal ein großes Dankeschön an Emma, die dieses Jahr ertragen hat ohne darüber zu murren, dass ich seeehr oft Fotos von ihr aufgenommen habe!

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IMG_5496Was wir noch gemacht haben? Viel geredet und gelacht, viel geguckt und wenig gekauft. Meinen Lieblings-Secondhand-Laden besucht (und leider doch etwas gekauft). Außerdem schauten wir auf dem Jakobsweg vorbei und in den verschiedensten Läden. Ganz besonders amüsierten wir uns über eine Postkarte, die wir vor einem Laden ausgestellt fanden. Es war tatsächlich ein richtige schöner Mädelstag.

Später ging’s zum Abendessen ins Nudelhaus. Dort gibt es ausgesprochen leckeres Essen. Wir konnten draußen sitzen, das Wetter war so herrlich. Der ganze Tag hatte etwas von Urlaub. Bevor wir nach Hause fuhren, machten wir uns noch auf den Weg zur Uni.

Unterwegs waren wir schon den verschiedensten Instituten begegnet, am Ende schauten wir noch auf dem Platz der Göttinger Sieben vorbei. als wir nach Hause fuhren, war es in der Stadt leerer geworden. Ein leichter Sommerwind wehte durch die Stadt und das Licht war golden.

PS
Diesen Herrn haben wir am Schluss fast zufällig getroffen. Heinz Erhard, dem in Göttingen ein Platz gewidmet ist, ließ sich bereitwillig mit Emma fotografieren. Der Film Natürlich die Autofahrer ist nicht nur in Göttingen bekannt. Teile des Films, der bei uns sehr beliebt ist, wurden übrigens  in in Kassel gedreht.

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