Der letzte Tag

Nach den schmerzvollen Abschieden am Freitagabend saßen wir noch bis zum frühen Morgen zusammen und redeten. Emma machte ihr Bullet Journal fertig und wir versuchten gemeinsam, runterzukommen von den vielen Emotionen. Irgendwann waren wir dann alle richtig müde. Leider war es keine Nacht, die langen Schlaf bescherte. Der fleißge (pensionierte) Nachbar begann um7.30 Uhr (am Samstag!) mit irgendwelchen Arbeiten. Jeder von uns war zu anderen Zeiten wach, doch richtig erholsamer Schlaf sieht anders aus.

Ursprünglich hatten wir noch so viel vor. Emma wollte Buttermilchpfannkuchen backen. Das kommt auf den Plan, wenn sie wieder da ist. Das gilt auch für Bilder, die ihre Heimat zeigen. Das sollten die Austauschorganisationen den Jugendlichen schon vor der Reise sagen: Nehmt Fotos von zu Hause mit! Wir hätten gern gesehen, wie Emma wohnt und lebt, wo sie sich in ihrer Stadt gern aufhält, was es dort an Sehenswürdigkeiten gibt, wo ihr Lieblingsrestaurant ist, wo sie gern Kaffee trinkt. Gut, dass es ein nächstes Mal gibt.

Aus den Buttermilchpfannkuchen wurde nichts, weil wir ganz normales Wochenendfrühstück machen wollten. Es war sowieso das letzte – zumindest, für eine lange Zeit. Ich habe so viele Fotos gemacht – doch ich glaube, das Frühstück habe ich ausgelassen. Sei’s drum.

Dann mussten letzte Dinge erledigt werden. Ein paar Sachen gehörten noch in den Koffer. Außerdem wollte Emma gern noch einen Füllfederhalter kaufen. Ihrer war in den letzten Tagen entzwei gegangen und sie wollte ihn gern ersetzen. Dann ging es zum Edersee. Der ist eigentlich ein echtes Naherholungsausflugsziel. Ein Ort, den man besucht, wenn man Gäste hat. Wir hatten uns vorgenommen, irgendwann dort hin zu fahren. Für den letzten Tag stand eigentlich der Besuch des Kasseler Kletterwalds auf dem Programm, doch da Frank über Schmerzen in den Gelenken klagte, verzichteten wir darauf.

Am Edersee angekommen, sahen wir uns die Staumauer an, bewunderten die Segelboote und genossen das schöne Wetter. Natürlich erfuhr Emma etwas von der Geschichte des Edersees. Vor allem natürlich von der Bombardierung der Staumauer am 17. Mai 1943 durch die Bouncing Bombs der Britischen Airforce. Wir wanderten über die Staumauer, gingen bis zur anderen Seite und ließen Steine über den See flitschen. Jede und jeder so gut er oder sie konnte. Lilly konnte auch diesmal nicht überzeugt werden, ins Wasser zu gehen. Die Abneigung gegen das kühle Nass ist einfach zu stark.

Die Stimmung war bei uns allen etwas anders als sonst. Echte Normalität wollte nicht einkehren. Immer wieder hingen wir unseren Gedanken nach. Letzte Tage sind schwer zu ertragen.

Ab und zu kam aber doch ein Lachen durch, ein bisschen Spaß hatten wir auch heute. Besonders, als Emma und Julian ihre Version des Charlie Chaplin-Sprungs vorführten. Jonathan war nicht dafür zu begeistern.

Abends waren wir mit meinen Eltern in der Brauerei verabredet. Gemeinsam gingen wir zu Fuß durch Dörnhagen. Auch das zum letzten Mal. In der Brauerei hatten wir extra einen Tisch im vorderen, urigeren Raum gebucht. Hier gab es dann auch wieder ein Abschiedsgeschenk. Nachdem wir so viel im Land der Brüder Grimm umhergefahren und gegangen waren, hatten sich meine Eltern für eine Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Grimms entschieden. So kann Emma auch ihr Deutsch erproben.

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Die Männer nahmen Fleischgerichte, Emma, meine Eltern und ich entschieden uns für Bierfladen. Das ist eine Mischung aus Pizza und Flammkuchen auf Brotteigbasis. Sehr lecker.

Der nächste Abschied kam unaufhaltsam. Meine Eltern wohnen nur ein paar Schritte von uns entfernt. Vor der Haustür gab es Umarmungen und Küsse. Und das Verprechen, möglichst bald zurückzukehren. Das soll wohl so sein!

Ansonsten heiß es nun wirklich in nur zehn Stunden:

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