Acht Fragen – 5

Die nächste Frage haben wir uns selbst immer mal wieder beantwortet im Lauf des Emma-Jahres. „Hätten wir das auch gemacht, wenn Emma nicht hier wäre?“

5 – Haben Sie davon profitiert, Gastfamilie zu sein?

Ich kann gar nicht beschreiben, auf welch vielfältige Arten man davon profitiert, ein Gastkind in den USA aufzunehmen. Die PPP-Jugendlichen sind vermutlich per se politisch interessiert. Es gibt so vieles, was anderes ist bei uns, so dass wir gar nicht umhin kamen, häufig zu diskutieren. Körperliche Gewalt gegen Kinder? Geht gar nicht, befanden die deutschen Jungs. Kommt auf den Zusammenhang an, sagte die Amerikanerin. Sie redeten sich die Köpfe heiß, über Erziehung, Energiepolitik, über Kanzlerinnen und Präsidenten, über Außenpolitik und den Nahostkonflikt. Über den Zweiten Weltkrieg, über Konzentrationslager. Und manchmal auch über Sprichwörter. Was auf Deutsch „Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“ heißt, wird auf Englisch „zwei Vögel mit einem Stein treffen“. Was hatten wir für eine lebhafte Diskussion, als Emma eine Rechtfertigung begann und Julian meinte, dass eine Vögel erschlagende Gesellschaft schon ziemlich aggressiv sein müsse.

Wir haben viel durch Emmas Augen gesehen. Manchmal auch uns selbst. Wir haben über Familienstrukturen gesproche und wie das deutsche Bildungssystem funktioniert. Zu selten machen wir uns bewusst, dass unsere Jugendlichen nichts bezahlen müssen, wenn sie studieren. Wie anders ist das in den USA!

Wir haben viel mehr gemeinsam unternommen. Punkt. Das ist eine ganz wichtige Feststellung. Wir haben Ausflüge in die nähere und fernere Umgebung gemacht. Wir haben lokale und regionale Sehenswürdigkeiten besucht, andere Städte, Museen, Galerien, Fußballstadien, Restaurants. Wir haben die Vielfältigkeit Deutschlands (wieder-) entdeckt. Solche Dinge macht man nur, wenn ein Gast da ist, der das noch nicht kennt. Wichtig ist aber auch: Man braucht dazu einen Gast, dem das auch Spaß macht. Man muss einen guten Ausgleich haben zwischen Programm und Relaxen. Aber selbst das Familienleben hat sich dadurch verändert, dass wir ein Mädchen im Haus hatten.

 

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