Und dann war da noch …

Heute ist Silvester, der letzte Tag des Jahres. Vier Monate ist Emma nun schon bei uns und wir können sagen, dass wir glücklich miteinander sind. Natürlich läuft nicht alles reibungslos, aber bei uns wohnt kein Gast, sondern ein neues Familienmitglied.

Apropos Familienmitglieder: Wir sind in der glücklichen Lage, dass es noch ein „Adoptivkind“ gibt, dass dazugehört. Valentin, ursprünglich „nur“ Jonathans Freund, ist seit seit zwei Jahren „quasi-adoptiert“. Er hat die Zeit seines zweiten Schulpraktikums bei uns verbracht und war für uns die Testperson: Geht es für uns, mit einer zusätzlichen Person im Haus zu leben? Es geht, fanden wir „nach Valentin“. In den drei Wochen des Praktikums in 2016 haben wir so viel erlebt, dass wir sagen konnten: Ja, wir probieren es mal mit einem Gastkind.

Dass Valentin noch immer dazugehört macht folgende kleine Geschichte deutlich: Als wir letzte Woche „Mary Poppins‘ kehrt zurück“ im Kino ansahen, war er plötzlich da. In der Familien-Whatsappgruppe hatten wir die Jugend um Pünktlichkeit gebeten: Und Valentin war pünktlich. Da wir seit einer Weile fanden, es müsse langsam mal ein Familienfoto „mit allen“ her, fragten wir kurzerhand einen anderen Kinobesucher, ob er ein Foto aufnehmen würde. Voila, hier ist es:

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Apropos Valentin: Er musste vor zwei Jahren sein Praktikum wegen eines Unfalls früher beenden. Nachdem er abends noch versichert hatte, alles sei in Ordnung, bin ich am nächsten Morgen mit ihm ins Krankenhaus gefahren, denn er hatte ein Stück einer Fingerkuppe „abehobelt“ und die Blutung wollte nicht aufhören. Glücklicherweise waren Valentins Eltern da, die mir die Verantwortung abnahmen. Ein kleiner Vorgeschmack war es schon auf das, was gestern passierte:

Emma, Jonathan und Valentin waren am Samstag gemeinsam auf dem Geburtstag einer Freundin gewesen. Valentin wollte bei uns übernachten und die drei wollten mit dem Auto nach Hause kommen. Als Jonathan gegen 00.00 Uhr anrief, war mein erster Gedanke, es hätte einen Unfall gegeben. Erfreulicherweise war „nur“ ein Reifen platt. Am nächsten Tag stellte sich tatsächlich heraus, dass der Reifen aufgeschlitzt worden war. Die drei parkten das Auto in Kassel und nahmen die nächste Bahn. Frank holte sie in Guxhagen ab. Ich hatte inzwischen schon im Bett gelegen, sagte aber den Jungs noch mal Hallo. Emma war schon im Bad und rief „Gute Nacht“, bevor sie in ihrem Zimmer verschwand.

Erst am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück – inzwischen war sie schon Joggen gewesen – sahen wir die Beule an ihrer Stirn. Die sah nicht gut aus. Es sei nichts, versicherte sie uns erst mal ganz glaubhaft. Die Jungs schilderten dann aber den Sturz schon relativ dramatisch. Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass Emma immer mal ein wenig tollpatschig ist. Sie verliert öfters ihr Gleichgewicht oder stolpert. Diesmal war sie aus der Wohnung der Freundin gegangen und auf der Treppe nach unten gestolpert. Sie war mit dem Kopf aufgeschlagen, von diesem Sturz rührte die Beule. Beim Frühstück sagte sie auf einmal, sie fühle sich „dizzy“. Oh je – das hörte sich nach Gehirnerschütterung an. Wir einigten uns also schnell darauf, dass Emma ins Krankenhaus müsste. Und wenn nur darum, Schlimmeres auszuschließen. Es ist in jedem Fall etwas anderes, wenn es nichts um das eigene Kind geht. Macht man alles richtig? Die eigenen Kinder kennen wir von Geburt an. Emma ist erst seit vier Monaten bei uns. Da können wir nicht alles wissen. Also ging es ab ins Krankenhaus.

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Ganz gut zu sehen: Emmas Beule

Wie immer war es ein elend langes Warten. Um 13.30 Uhr hatten wir „eingecheckt“, alle Unterlagen eingereicht, Emmas Status erklärt, die Versicherungsdaten angeben. Und dann hieß es warten. Da Emma relativ frisch gewirkt hatte, wurden wir vermutlich als nicht ganz so dringlich eingestuft. Das war auch ok (vor allem im Nachhinein). Doch das Warten war anstrengend. Über zweieinhalb Stunden saßen wir da zu zweit. Immer wieder leuchten Nummern auf, immer wieder durften Menschen in ein Behandlungszimmer gehen. Leider war es nie unsere Nummer, die aufgerufen wurde. IMG_3954.jpg

Anfangs war das noch in Ordnung. Doch dann begann Emma wiederholt über Schwindel zu klagen. Fürs Foto machte sie ein fröhliches Gesicht, doch ich bekam es ein wenig mit der Angst zu tun. Und ich war unglaublich froh, dass wir im Krankenhaus waren. So würden wir zumindest bald herausfinden, was mit Emma war und zu tun sein würde. Irgendwann ging ich dann zur Aufnahme und bat darum, dass Emma irgendwo liegen dürfe. Sie war zwischendrin ziemlich blass geworden und schwankte ein bisschen. Auf einer Trage wurde es etwas besser. Allerdings sah es dann so aus, als würde sie sich übergeben müssen. Doch dann wurden wir in ein Behandlungszimmer gerufen. Erfreulicherweise entpuppte sich die Krankenschwester als die Mutter eines Kindes, da auch aufs Friedrichsgymnasium ging. Auf einmal war alles nicht mehr so schlimm. Emma allerdings war nicht in der Lage gewesen, selbst ins Zimmer zu gehen. Sie war in einem Rollstuhl gebracht worden. Nun lag sie auf einem Bett, der Kreislauf wurde untersucht und ein sehr netter Arzt fragte nach den Symptomen.

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Die Diagnose war wie erwartet „Gehirnerschütterung“. Der Arzt schlug vor, Emma zur Beobachtung über Nacht da zu behalten. Grundsätzlich hatte er aber keine Einwände, dass Emma nach Hause gehen dürfte. Sie musste Entlassungspapiere unterschreiben und wir mussten versprechen, sie alle zwei Stunden zu wecken und anzusprechen. Wenn sie „vernünftig“ antworten würde, wäre alles okay. Endlich durften wir – beruhigt – wieder nach Hause fahren. Emma telefonierte noch mit ihren Eltern, die wir zwischenzeitlich informiert hatten, um ihnen Entwarnung zu geben. Alle zwei Stunden schauten wir anschließen und abwechselnd, ob es ihr gut ging. Es ging. Beim Frühstück heute Morgen befand sie dann, dass es vermutlich ein Fehler gewesen sei, Joggen zu gehen. Das nehme ich auch an. 😉

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So sieht man aus, wenn man wieder nach Hause darf.

Das war es für dieses Jahr. Ich wünsche allen, die hier mitlesen, einen guten Rutsch. Bis bald im neuen Jahr!

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